Fliesenwerker erklärt

Wir beantworten hier Fragen rund ums Thema Fliesen, erklären Sachverhalte und zeigen Lösungen für Probleme auf. Informieren Sie sich! Sollten Sie Fragen zu Ihrem Projekt haben, dann konntaktieren Sie uns einfach.

 

Reparatur von gerissenen Estrichen

Unabhängig von Material (Zementestrich, Anhydritestrich) und Einbauweise (auf Trennschicht, schwimmender Estrich) kann man sagen, dass sich Risse nicht gänzlich vermeiden lassen. Die in den Fachvorgaben enthaltenen Richtlinien wirken zwar der Rissbildung entgegen ohne sie jedoch gänzlich verhindern zu können. Auch der Einbau von Estrichgittermatten oder die Beigabe von Fasern in den Estrich können eine Rissbildung

nicht unterbinden, sie verhindern lediglich eine weitere Bewegung der Estrichstücke.

 

Arten der Rissbildung

 

Haarrisse

 

Sie entstehen beim Austrocknen unmittelbar nach dem Estricheinbau bedingt durch Zugluft und steigender Temperatur im Estrich durch das Abbinden des Zementes. Sie haben meistens eine enge Maschenweite und lediglich eine geringe Tiefe.

 

Netzrisse

 

In Abgrenzung zu den Haarrissen bilden sie größere Maschenweiten und Rissbreiten. Gelegentlich können Netzrisse sich durch den gesamten Estrichquerschnitt ziehen.

 

Trennrisse

 

Diese bilden keine weitverzweigten Netze sondern sind eher geradlinig mit seltenen Verzweigungen. Sie trennen stets den gesamten Estrichquerschnitt

 

Ursachen für Risse

In Estrichen treten aus ganz verschiedenen Gründen Risse auf. Im folgenden sind die wichtigsten davon aufgelistet.

 

  • Nicht einbauen von nötigen Dehnungsfugen, durch die auftretenden Spannungen reißt der Estrich dann an anderer Stelle
  • Zu frühe bzw. zu große Belastung der Estrichfläche
  • Risse durch Temperaturunterschiede, oft bei der Inbetriebnahme einer Fußbodenheizung (Trockenheizen)
  • Risse die beim Abbinden und erhärten des Estrichs entstehen ( Trocknungsschwinden)
  • nicht fachgerecht eingebauter Estrich ( Estrich ist zu dünn, falsches Mischungsverhältnis)

Je nach Anzahl und Stärke der so entstandenen Risse ergeben sich daraus Probleme für den weiteren Bodenaufbau. So können etwa darauf verlegte Fliesen oder verklebtes Parkett ebenfalls reißen, bei textilen bzw. PVC Bodenbelägen sind Falten oder gedehnte Stellen zu beobachten.

Somit ist es notwendig die Risse so zu verschließen, das ein Verschieben gegeneinander nicht mehr möglich ist (Kraftschlüssig).

 

Ursachen beheben

Da Risse aus verschiedenen Gründen entstehen können, ist es vor der Reparatur sinnvoll die Ursache dafür zu ermitteln um die diese gleich mit zu beheben. So bewirkt das weglassen von notwendigen Dehnungsfugen, dass der Estrich an einer anderen Stelle reißt. Wenn nun dieser Riss verschlossen wird, ohne gleichzeitig die nötigen Dehnungsfugen anzulegen, wird der Estrich nur erneut reißen.

Unabhängig von der Schadensursache ist es immer notwendig mit dem Beginn der Sanierungsarbeiten zu warten bis der Estrich ausreichend trocken ist. Im Zweifelsfall ist die Restfeuchte des Estrichs mit Hilfe einer entsprechenden Messung zu bestimmen.

 

Reparatur von Rissen

Der erste Arbeitsschritt besteht darin mit Hilfe eines Winkelschleifers (Trennschleifer, Flex), sowie einer dafür geeigneten Trennscheibe den bereits vorhanden Riss auf ca. 2/3 der Estrichdicke zu vertiefen, das sind bei einem 4,5 cm starken Estrich ca. 3 cm. Gleichzeitig sollte der Riss im oberen Teil leicht verbreitert werden, um das einfüllen des Gießharzes zu erleichtern.

Daran anschließend wird ca. alle 20 cm quer zum Riss der Estrich zusätzlich auf 2/3 seiner Dicke eingeschnitten um eine Art Bewehrung ein zu legen.

Nachdem alle Arbeiten mit dem Winkelschleifer abgeschlossen sind, wird mit einem Baustaubsauger alles gründlich gereinigt. Insbesondere der Riss muss danach staubfrei sein, da sonst die Haftung stark vermindert sein kann.

 

Zementestrich mit RissenRisse aufgeweitet

Risse verharztRisse mit Fraese berarbeitet

 

Nun werden in die zusätzlichen Querschnitte die Wellenverbinder (Estrichklammern) eingelegt. Diese ca. 7-8 cm langen Edelstahlstreifen sind stark gewellt um eine bessere Verbindung zum Gießharz zu ermöglichen. Im Idealfall werden die Estrichklammern so eingelegt das sie vollständig vom Gießharz umschlossen werden. In jedem Fall sollten sie mit einem schmalen Werkzeug etwas in den vorbereiteten Schnitt eingedrückt werden.

Im Anschluss wird das Gießharz lt. Herstellervorgaben angerührt. Da Epoxidharze in einem vorgegebenen Verhältnis angemischt werden müssen, ist es ratsam stets ganze Gebinde anzurühren. Eine empfehlenswerte Gebindegröße für das Ausbessern von Estrichrissen sind 750 – 1000 g Gebinde in Plasteflaschen. Diese haben gegenüber Dosen den Vorteil einer Tülle und lassen sich somit leichter und genauer einfüllen.

 

Nach dem Anrühren des Gießharzes ist Eile geboten da nur ein kurzer Verarbeitungszeitrum gegeben ist. In dieser Zeit wird nun so viel Epoxidharz in den Riss eingebracht das es leicht übersteht. Ein 1000 g Gebinde reicht ca. für 4 m Rissverfüllung.

Nach dem erhärten des Gießharzes, ist das abtragen des überstehenden Materials mit einer Beton- oder Estrichfräse der letzte Arbeitsgang. Damit wird erreicht, dass die Fläche wieder absolut plan ist und keine Unebenheiten bei den nachfolgenden Arbeiten stören.